Anne in China |
Mittwoch, 31. Oktober 2007
Wie geht der Drachentanz?!
kleine anne, 11:05h
Oefter berichtet hatte ich ja schon vom Drachentanz oder vom Loewentanz. Fuer alle, die sich fragen, was das eigentlich ist, kommt hier die Erklaerung.
Aber zunaechst: Was ist ein Drache? Während der Drache in westlichen Mythen oft als unheilbringendes Wesen beschrieben wird, ist es beim chinesischen Drachen genau umgekehrt. Er wird dort als Glücksbringer verehrt. In beiden Fällen wird der Drache jedoch als Wesen mit übernatürlichen Kräften beschrieben. Wahrscheinlich entwickelten sich die Mythen von Drachen schon in der menschlichen Urzeit, um Naturgewalten und -phänomene zu erklären. Die Chinesen verehren den Drachen; der Drache symbolisiert Macht, Würde und Erfolg. Was ist ueberhaupt genau ein chinesischer Drache? ![]() Legenden besagen, dass die Drachen vor 6000 bis 7000 Jahren durch das Verschmelzen der Tierkreiszeichen einzelner Staemme zu einem maechtigen Gott entstanden sind: Kopf wie ein Krokodil Hoerner wie ein Hirsch Koerper wie eine Schlange Schuppen wie ein Fisch Pranken wie ein Tiger Klauen wie ein Adler Augen wie ein Geist Der chinesische Drache also: Symbol für das Gute und Edle Im ostasiatischen Raum gehört der Drache zu den am häufigsten dargestellten Fabeltieren. Vereinfacht verkörpert er die Gesetzmäßigkeiten der Natur, denen man mit Respekt und Ehrfurcht begegnen muss, will man ihnen nicht erliegen. Horcht man aber auf die Zeichen der Natur und lernt sie verstehen, ist sie einem wohlgesonnen und bringt Glück, das Gute und Edle ins Leben. Der chinesische Drache ist ein sehr vielschichtiges, ursprünglich positives Symbol, das für Macht, Stärke, Weisheit, Glück und Fruchtbarkeit steht. Er repräsentiert die Kräfte des Yang, das positive, schöpferische, männliche Prinzip. Je grimmiger ein Drache dreinschaut, desto mehr Macht und Stärke symbolisiert er. Grimmiges und furchterregendes Aussehen steigert seine positive Energie, verstärkt die Kräfte des Yang und verleiht in diesem Sinne Mut, Kraft und Durchsetzungsvermögen. So ist es fast schon zwangsläufig logisch, dass der Drache das Symbol der Kaiser auf dem “Drachenthron” wird. Die ältesten Darstellungen von Drachen werden auf ca. 5000 Jahre geschätzt. Schon früh verehren die verschiedenen Völker Chinas ihn als ein heiliges Wesen. Seine Erscheinungsformen sind sehr vielfältig, so gibt es unter anderem Fischdrachen, Vogeldrachen, Schildkrötendrachen, Schlangendrachen und mehr phantasievolle Arten. Die Darstellung des Drachen, wie wir sie heute als “typisch chinesisch” sehen, entwickelt sich erst im Laufe der Zeit erkennbar aus dem Schlangendrachen. Eine frühe, sehr schöne taoistische Illustration bedeutet die drachen- oder auch schildkrötenköpfige Fledermaus. Fledermäuse wie Schildkröten stehen als Symbol für ein langes Leben oder Unsterblichkeit, die gleiche Symbolkraft wird dem Drachen zugeschrieben. Das Motiv der Verschmelzung von Drache und Fledermaus wird oft zwei- oder vierfach aus den Ecken eines Bildes heraus dargestellt, was seine Wirkung als Talisman verdoppeln oder vierfachen soll, denn dieser Drache bringt Gesundheit, Reichtum, Glück, Fruchtbarkeit und reiche Ernte, außerdem verleiht er Kraft, Mut, Stärke, Klugheit, Weisheit und vor allem ein langes Leben. Dieser Glaube reflektiert einen wichtigen Aspekt im Verhältnis zum Drachen, der auch in der Darstellung mit einer Kugel oder einem Edelstein in der Klaue, wie es bis heute zu sehen ist, seine Fortsetzung und Verstärkung findet: er hält die Perle der Weisheit und des langen Lebens. Der Drache kann ebenso als “himmlischer Bote” auftreten, der die Wünsche und Hoffnungen der Menschen zum Himmel bringt und den göttlichen Segen zu den Bittstellern zurück. Anrufen darf die Götter aber über diesen himmlischen Boten nur der vorbestimmte Taopriester. Als Herr der Meere, Seen, Ströme und vor allem des Regens zeigt der Drache sich nicht nur von seiner guten Seite, denn er wird auch für verheerende Unwetter sowie Flutkatastrophen und sogar Erdbeben verantwortlich gemacht. Das hat natürlich auch seine positiven Aspekte, vor allem die Bauern verehren ihn als Bringer des Regens, der für eine gute Ernte oft bitter nötig ist. Und damit wird er wieder zum Sinnbild von Wohlstand, Ansehen und Zufriedenheit, die einer guten Ernte entspringen. Es soll aber auch pfiffige Chinesen gegeben haben, die den Drachen extra reizen, damit er wütend wird und ein Unwetter verursacht, das die Reisfelder zerstört. Was die Reispreise in die Höhe treibt und wiederum zu Wohlstand, Ansehen und Zufriedenheit führt. Der Drache erfüllt seine Symbolik auch auf verschlungenen Wegen. Und um auf die Erdbeben zurück zu kommen: der Drache ist ferner Auslöser des Feng-Shui. In China macht man schon sehr früh geologische Beobachtungen und findet heraus, dass es sogenannte “Drachenlinien” gibt, die inzwischen als tektonische Verwerfungen erkannt sind. Beachtet man die Drachenlinien nicht, kann der Drache wütend werden, dass die Erde bebt. Also heißt es, nach den Geboten des Drachens bauen, wenn nicht alle Baukunst vergebens sein soll, und dabei gilt es ebenso, die unterirdischen Wasserlinien zu beachten, die ein Merkmal des Herrn des Wassers sind. So hat der Drache durch das Feng Shui Einfluss nicht nur bis heute, sondern sogar bis hier in den Westen, wo man durchaus eine gute Anzahl von Freunden dieser Lehre finden kann. Im Vergleich dazu: Der abendländische Drache Symbol für das Böse und Macht Bei den Germanen tauchen die ersten drachenähnlichen Darstellungen in der späten Völkerwanderungszeit auf. Sie erklären sich aus spätantiken römischen Vorbildern, denn zunächst erblüht in den antiken Hochkulturen des Mittelmeerraumes der Glaube an furchterregende Ungeheuer. Phantasiewesen aus verschiedenen Körperteilen mächtiger, bedrohlicher Tiere wie Raubkatzen, Schlangen und Adler, aus denen sich die Drachen entwickeln. Schon in dieser Zeit gelten sie als garstige Wächter, sind aber auch ein Symbol für Macht und Stärke. So wundert es nicht, dass sich der Drache in vielen Fahnen, Standarten, Wappen und Siegeln wiederfindet: als Ausdruck der überlegenen Herrschaft und Kraft. In den germanischen Glaubensvorstellungen erscheinen zunächst Lindwürmer, die mit magischen Riten und Sagen verflochten werden, aber fast nahtlos in der Figur des Drachens ihre Fortsetzung finden. Seine vornehmliche Bedeutung findet er als feuerspeiendes Ungeheuer, als rasende Furie, die Schätze in tiefen Höhlen bewacht, die gesamte Umgebung verwüstet, gar ganze Rindviecher verschlingt aber auch vor Menschen nicht halt macht. In alten Sagen und Märchen werden auch Naturphänomene, Naturkatastrophen und drohendes Unheil dem Treiben eines Drachen zugeschrieben. Bevorzugt verspeist er hübsche Jungfrauen, die ihm geopfert werden, damit er Ruhe gibt und die Menschen sowie ihre Äcker und Städte zufrieden lässt. Das Bild des Drachens gilt als Wüterich, trotzdem spricht man ihm Intelligenz, Gewitztheit und Listigkeit zu. So hat er in vielen Sagen durchaus die Jungfrauen gar nicht gefressen, sondern sie mit so gar nicht in das Drachenbild passender zärtlicher Hingabe beschützt und umsorgt. Das Verhältnis zwischen Drache und Jungfrau wird oft als intimes, nahezu erotisches Verhältnis beschrieben. Trotzdem, der Held in allen Sagen und Mythen ist nie der Drache, sondern immer der Drachentöter, der Land und Menschen von dem Unwesen befreit. Auch die Jungfrauen. Wie überliefert ist, manches Mal gegen ihren Willen. Mit der Verbreitung des Christentums findet der Drache eine unrühmliche Rolle in Form von furchterregenden Mischwesen, die in der Bibel als Synonym für böse Mächte gelten. In der Offenbarung Johannes wird er zum Sinnbild des Bösen, gleichgesetzt mit Satan, dem Teufel. Der Kampf der heiligen Ritter mit dem Drachen symbolisiert im Grunde den Kampf mit dem Heidentum. Als Bekämpfer der heidnisch germanischen Glaubensvorstellungen und Sieger über den Drachen genießt der Erzengel Michael seit dem frühen Christentum große Verehrung. Ebenso der Hl. Georg, dessen allegorischer Kampf mit dem Drachen im Abendland zu einer historischen Begebenheit umgedeutet wird. Tatsächlich glaubt man an Drachen als real existierende Wesen. Angeregt wird die Phantasie immer wieder durch Knochenfunde in Höhlen, paläontologische Funde von ausgestorbenen Riesensäugern und Reptilien werden noch bis in das 18. Jahrhundert dem Drachen zugeordnet. Abgesehen von einigen Kindererzählungen, als Beispiel die weise Frau Mahlzahn in “Jim Knopf und die wilde 13” von Michael Ende, oder das bekannte wie beliebte Musical für Kinder “Tabaluga” von dem Musiker Peter Maffay, bleibt der Drache bis heute ein Unwesen. Schaut man in ein aktuelles Lexikon für Synonyme, findet man als Entsprechungen: Lindwurm, Ungeheuer, Furie, Untier, Megäre, Hausteufel, Xanthippe, Keiferin, Reibeisen. Zumindest liefert der Drache im Abendland Stoff für viele Heldensagen, beständig bedeutet er das Böse und die Macht, die im heroischen Kampfe überwunden wird. Im Gegensatz zu den europäischen Drachensagen wird der chinesische Drache jedenfalls stets als ein sehr weises, friedfertiges Wesen angesehen, dem Achtung und Ehrfurcht gebührt. Kinder, die im Jahr des Drachen geboren werden, gelten als stark, entschlossen und kuehn. Eltern, die ein Kind im Jahr des Drachen bekommen, versprechen sich davon Glueck und Reichtum. Der Drachentanz ![]() Der Drachentanz war bereits in der Song-Zeit (960-1279 n. Chr.) sehr populär und ist es bis heute geblieben. In China wird der Drachentanz also schon seit mehr als 1000 Jahren gepflegt und entwickelt. Er wird dort zu Neujahr und anderen festlichen Anlässen aufgeführt. Der Drache besteht aus mit Stoff bedeckten Skelettsegmenten aus Holz, die an Stöcken von den Kung Fu Schülern bewegt werden. Der Stoff ist mit Spiegeln und Verzierungen versehen. Auch der Kopf des Drachen ist ein mit Stoff bedecktes Bambusgerüst. Der Unterkiefer ist beweglich und kann auf und abschwingen. Im Drachentanz werden die Bewegungen und Anstrengungen des Drachen auf der Jagd nach der Perle der Weisheit dargestellt. Diese wird ebenfalls von einem Kampfkünstler vor dem Drachen hergetragen. Das dient auch zugleich der Koordination der Choreografie. Begleitet wird der Drachentanz von charakteristischen Trommel- und Beckenrythmen, die ebenfalls die Choreographie unterstützen sollen. Und das ist deshalb so: Ein kleines, friedliches Dorf in China wird eines Tages von boesen Geistern und Daemonen heimgesucht. Selbst die mutigsten Maenner konnten das Dorf nicht befreien und die tapfersten starben klaeglich im Kampf. Ein kleiner molliger Moensch aber sah es als seine Pflicht an das Dorf zu retten und weil ihm klar war, dass er alleine nichts gegen die Daemonen ausrichten kann, machte er sich auf den Weg zu den hohen Himmelsbergen um den dort wohnenden Drachen aufzusuchen, der als furchtlos galt und vor nichts zurueckschreckte. Der Drache willigte sofort ein zu helfen als er sah, was der Moench fuer eine beschwerliche Reise gehabt hatte und machte sich unverzueglich ins Dorf auf. Der Drache erreichte das Dorf am Tag des Neumondes mit laut-wirbelnden Trommelschritten und Knallkoerpern. Die Daemonen erschrecken, aengstigten sich und fliehen aus dem Dorf. Alle rannten schreiend weg, weil das Dorf so laut vor Musik war. Zum Schluss ist lediglich der Anfuehrer der Daemonen noch da und liefert sich einen erbitterten Kampf gegen den Drachen. Doch der Moench fluestert dem Drachen eine List ins Ohr und dadurch kann der Drache den Geisterboss auffressen. Somit kehrten Frieden und Ruhe zurueck ins Dorf und die Dorfbewohner veranstalten ein grosses Fest fuer den Moench und den Drachen, auf dem alle zu Trommelschlaegen tanzen. Der Drachentanz auf Neujahrsfesten, Hochzeiten, Geburtstagen, Geschaeftseroeffnungen und anderen wichtigen Ereignissen mit lautwirbelnden Trommeln, Chinaboellern und Feuerwerk aufgefuehrt um boese Geister fernzuhalten. Ueberall dort, wo der Drache auftritt, schenkt er den Menschen Glueck und Zufriedenheit. ... comment |
Online seit 6412 Tagen
Letzte Aktualisierung: 2009.07.10, 04:53 status
Menu
Suche
Kalender
Letzte Aktualisierungen
als hätten wirs...
...die ganze Wohnheimbeschreibung klingt sehr nach... by anne linke (2009.07.10, 04:52) Buddhismus
das ist ja fast wie eine buddhistische Weisheit, bei... by anne linke (2009.07.10, 04:47) Callcenter in China
Ich habe eben einen Anruf von einem Callcenter in China... by kleine anne (2009.06.30, 21:38) |